Presse

 

Hamburger Abendblatt, April 2011


DorfStadtZeitung, März 2011


Hamburger Abendblatt – 27. Januar 2011, Rainer Burmeister

ÖKOLOGISCHER LANDBAU
Erntezeit-Projekt startet in die zweite Saison
Rainer Burmeister
In diesem Jahr stehen 120 Anbauflächen auf dem Appener Schäferhof zur Verfügung

APPEN/SCHENEFELD. Es geht wieder los! Das Erntezeit-Projekt auf dem Schäferhof in Appen startet in die zweite Saison. Familien, Gartenliebhaber und Feinschmecker können von Mai bis Oktober gegen einen Saisonbeitrag von 160 Euro ein Stückchen Land, fertig bestellt mit etwa 25 verschiedenen Gemüsesorten, übernehmen. „Wir pflügen, eggen, säen und pflanzen maschinell. Unsere Pächter haben die Aufgabe, ihr Land zu hegen und zu pflegen und natürlich zu ernten und sich in der Natur und der schönen Umgebung des Schäferhofs zu erholen“, umschreibt Initiatorin Jule Vickery aus Schenefeld das im vergangenen Jahr erprobte Verfahren.

Jeder Gemüsegarten ist etwa zwei Meter breit und 25 Meter lang

Beim Erntezeit-Projekt werden die Pflanzreihen längs gesät und quer in Gartenstreifen unterteilt. Jeder Gemüsegarten ist etwa zwei Meter breit und 25 Meter lang und von einem Weg aus begehbar. Es gibt keine festen Begrenzungen zwischen den Gärten. Der Ernteertrag erreicht erfahrungsgemäß das Doppelte des Saisonbeitrags. Die Erntezeitler dürfen zu ihrem Garten kommen und gehen, wann immer sie mögen.
Angebaut werden Petersilie, Möhren, Kürbis, Zucchini, Basilikum, Tomaten, Schnittsalat, Mais, Sommerblumen, Rucola, Bohnen, Zwiebeln, Kartoffeln, Porree, Rote Bete, Fenchel, Kohlrabi, Mangold, Dill, Spinat und Zuckererbsen. Außerdem gibt es mehrere Wunschreihen. Das Saatgut stammt vom Demeterverband, die Jungpflanzen von Bioland.
Etwas Fleiß ist im Mai und Juni während der ersten sechs Wochen erforderlich mit etwa einer halben Stunde Unkraut hacken oder jäten pro Woche oder zwei intensiveren Wochenend-Einsätzen. Später geht alles gelassener zu. Die nötigen Gerätschaften wie Hacken, Grabegabeln und Gießkannen werden gestellt.

In diesem Jahr ist eine Gemeinschaftsfläche geplant

In diesem Jahr soll auf dem Pachtgelände eine Gemeinschaftsfläche mit Sitzgelegenheiten für die Großen und Spielmöglichkeiten für die Kleinen eingerichtet werden. In unmittelbarer Nähe liegt der Reiterhof des Guts Schäferhof mit etwa 100 Pferden. Es gibt Ziegen, Ponys und Esel zum Streicheln und Beobachten. Die Lebenshilfe Pinneberg, die den Schäferhof zu neuem Leben erweckt hat, möchte in diesem Jahr neben den Gärten ein offenes Klassenzimmer einrichten und einen Naturerlebnisraum mit Pfad bis zum Appener See schaffen. Auch diese Einrichtung steht den Erntezeit-Mitgliedern zur Verfügung. In der Erntesaison 2011 stehen insgesamt 120 Anbauflächen zur Verfügung.
„Derzeit können noch 60 Gärten gebucht werden“, sagt Jule Vickery. Auch Kochkünstler Tim Mälzer ist wieder mit dabei, um für seine Fernsehsendungen bestes Gemüse verarbeiten zu können. Allerdings hat Mälzer zum Jäten keine Zeit. Zwei Kinder einer Familie aus Wedel, die – wie der Starkoch früher auch – die Pinneberger Johannes-Brahms-Schule besuchen, kümmern sich um die Pflege der Beete.
Neben Gemüse gibt es noch andere Angebote bei den Erntezeitlern. So betreut Waldpädagogin Sabine Bentheim das Schulgartenprojekt an dem sich sieben Schulklassen einer Grundschule beteiligen. „Für individuelle Ausflüge von Kindergärten oder Schulgruppen stehen unsere Gärten nach Absprache immer offen“, sagt Jule Vickery.
Mehr vom Erntezeit-Projekt ist unter 040/84 05 24 67 oder per E-Mail zu erfahren. Außerdem gibt es bei Facebook eine offene Seite unter „Erntezeit“ mit weiteren Informationen. Ein erstes Informationstreffen findet am Sonnabend, 26. Februar, von 15 Uhr an im alten Gutshaus auf dem Schäferhof, Schäferhofweg 30 statt.


Hamburger Abendblatt – 22. Oktober 2010, Rainer Burmeister

Tim Mälzer ist jetzt ebenfalls als Pächter aktiv

Das kollektive Landwirtschaftsprojekt „Erntezeit“ auf dem Schäferhof ist ein voller Erfolg

APPEN/SCHENEFELD. Erntedankfest war schon am 3. Oktober. Doch im größten privaten Gemüsegarten des Kreises Pinnebergs werden auch in diesen Tagen noch fleißig die Früchte des Feldes eingefahren. Die einen halben Hektar große Landwirtschaftsfläche auf dem Schäferhof in Appen weist stellenweise schon jahreszeitlich bedingte Lücken und ins Kraut schießenden Wildwuchs auf. Doch der Saisonabschied soll erst am 1. November begangen werden.

Dann hat Jule Vickery, die mit ihrem Mann Henry und einer gehörigen Portion Enthusiasmus die inzwischen auf den Namen „Erntezeit“ getaufte Initiative ins Leben rief, allen Grund, stolz Bilanz zu ziehen. Die Schenefelderin freut sich über die große Resonanz: Die 80 Parzellen sind nahezu komplett verpachtet. Auf den 25 mal zwei Meter großen Pflanzflächen gedeihen 25 Sorten von Feldfrüchten aller Art, dazu noch Sonnenblumen und andere schmückende Gewächse.

Die Pachtkosten sind nach der Ernte mehrfach wettgemacht

Die Freizeit-Gemüsebauern haben seit der Aussaat im Frühjahr reichlich geerntet. Damit wurden die Pachtkosten von 150 Euro pro Parzelle mit Erträgen aus Naturalien wie Rotkohl, Wirsing, Rote Bete, Wurzeln, Pastinake, Kartoffeln und diversen Kräutern mehrfach wettgemacht. Beim Anlegen des Feldes halfen die Partner vom Schäferhof und der Lebenshilfe-Kreisvereinigung, Rainer Adomat und Peter Schaumann. Für sie war die Erntezeit-Initiative eine ideale Ergänzung ihrer Arbeit mit nicht sesshaften und behinderten Menschen.
Unterstützung bekam das kollektive Landwirtschaftsprojekt aber auch von Oldtimer-Treckerfreunden, die zum Pflügen ihr Gerät zur Verfügung stellten, sowie von einer Waldpädagogin und Pfadfindern: Die liehen den Erntezeitlern für gesellige Abende am Lagerfeuer und Übernachtungen im Freien ihre Zelte. Solche Extras förderten auch die guten Kontakte zwischen Familien mit Kindern, Paaren, Singles und älteren Menschen. Beim Jäten und Ernten fanden sich Menschen aller sozialen Schichten ein. „Das geht vom Hartz-IV-Empfänger bis zum Porsche-Fahrer“, umriss Jule Vickery einmal den Personenkreis.

Die Ernte auf dem Schäferhof wird in Mälzers TV-Sendung eingebaut

Nachdem die Pinneberger Zeitung über die Erntezeitler berichtet hatte, stieß das Projekt schnell auf überregionale Resonanz in den Medien. Inzwischen hat sich auch der aus Pinneberg stammende TV-Koch Tim Mälzer drei Parzellen gepachtet. Die Ernte auf dem Schäferhof wird in eine seiner Kochsendungen eingebaut, um den frischen Weg vom Feld zum Herd zu dokumentieren.
Mit Saisonschluss im November muss zwar das Feld geräumt werden, doch damit ist das Erntezeit-Projekt längst nicht zu Ende. Im Gegenteil: Der Acker, auf dem die erste Saison verbracht wurde, ist insgesamt zwölf Hektar groß. Damit gibt es genügend Platz, um statt 80 auch 160 Pächter unterzubringen. Der Umzug auf einen benachbarten Ackerabschnitt, dient dazu, den Boden der jetzt benutzten Fläche sich regenerieren zu lassen.
Für die zweite Saison, die im März mit dem Anpflügen beginnt und Ende April mit der Aussaat fortgesetzt wird, sind neue Pächter deshalb gern willkommen. Die Pacht wird im kommenden Jahr 160 Euro für die Saison bis November betragen. Fachkenntnisse sind nicht erforderlich, da das Anpflanzen und Aussäen mit professioneller Hilfe begleitet wird. Für weitere Informationen steht Jule Vickery unter der Telefonnummer 040/ 840 524 zur Verfügung. Außerdem kann auch im Internet Kontakt aufgenommen werden.
erntezeit@gmx.net


Hamburger Abendblatt – 12. Juli 2010, Rainer Burmeister

Erntezeit auf dem Schäferhof

Jule Vickerys Landbau-Kollektiv holt jetzt auf dem gemeinsam bestellten Acker in Appen die Früchte seiner Arbeit ein.

Appen/Schenefeld. Im größten privaten Gemüsegarten des Kreises Pinneberg hat die Erntesaison begonnen. Auf einem Feld beim Schäferhof in Appen reifen nicht nur die Früchte des Bodens. Auch die Landbau-Initiative des Schenefelder Ehepaares Jule und Henry Vickery, inzwischen auf den Namen Erntezeit getauft, ist prächtig gediehen. Was vor drei Monaten als Experiment begonnen wurde, hat sich so gut entwickelt, dass allmählich der Platz auf dem halben Hektar Anbaufläche knapp wird. Von den 80 Parzellen, die jährlich für 150 Euro gepachtet werden können, sind 75 bereits ausgebucht.

Jule Vickery, die mit Charme und Energie ihre Landbau-Kollektiv vorangetrieben hat, kann es immer noch nicht fassen, wie gut die Sache inzwischen läuft. „Das ist alles viel besser, als ich es mir je vorgestellt habe“, sagt sie begeistert. War die Idee des gemeinsamen Landwirtschaftens anfangs auch von manchen Agrar-Profis belächelt worden, so haben sich inzwischen sogar Appener „Ureinwohner“ nach einem Besuch auf dem Feld lobend geäußert. „Dafür, dass das Städter sind, sieht das ja gar nicht so schlecht aus“, zitiert Jule Vickery eine solche Würdigung.

Aussaat und Anbau wurde von Fachleuten und mit Unterstützung des Geschäftsführers der Lebenshilfe Südholstein, Peter Schaumann, sowie Schäferhof-Chef Rainer Adomat auf den Weg gebracht. Schaumann hatte spontan das Feld zur Verfügung gestellt, nachdem er in der Pinneberger Zeitung über das Vorhaben gelesen hatte.

Inzwischen kümmern sich die 75 Pächter der 25 mal zwei Meter großen Parzellen des Anbaufelds um das Jäten und Pflegen und natürlich Ernten ihrer Naturprodukte. Jedem Teilnehmer stehen 25 Sorten von Feldfrüchten aller Art zur Verfügung. Die Auswahl reicht von den bereits jetzt reifen Bohnen und Erbsen über Kopfsalat bis hin zu Kräutern, Petersilie, Rot- und Wirsingkohl oder Kohlrabi. Der Kohlrabi hat es den tierischen Mitnutzern der Scholle besonders angetan. Mehrfach wurden schon Spuren ausgiebiger Hasenfrühstücks-Attacken festgestellt. „Doch damit muss man leben in der Natur“, sagt die Initiatorin.

Jule Vickery ist mit ihrem britischen Mann Henry und den Kindern Philippa, Alva und Jasper so häufig es geht auf ihrem Feldabschnitt. Längst haben die Pächter untereinander gute Kontakte geschlossen. Es wurden schon nächtliche Lagerfeuer veranstaltet. Die Kinder lernten mit der Waldpädagogin und Gärtnerin Sabine Bentheim, was so an Getier unter dem Gemüse kreucht und darüber hin fleucht. Auch ein Zeltlager in Begleitung einer erfahrenen Pfadfinderfamilie wurde veranstaltet.

Die Arbeit auf dem Feld ist gar nicht so aufwendig. In den Erntezeit-Infos stellen die Vickerys Tipps zusammen. Was Laien erstaunen dürfte: Bisher war es kaum nötig, die Anbauflächen zu wässern. Trotz der Hitze sorgte die Natur noch immer für genügend Tau.

Besonders erfreulich finden die Begründer des Erntezeit-Projekts die ausgewogene soziale Struktur. Familien, Paare und Singles haben sich beim gemeinsamen Landwirtschaften zusammengefunden. Alle Altersgruppen sind vertreten. Auch die berufliche Vielfalt ist beeindruckend. Arbeiter und Rentner sind ebenso dabei wie Akademiker und mittelständische Kaufleute. „Wir haben hier den Porsche-Cayenne-Fahrer ebenso wie den Hartz-IV-Empfänger“, sagt Jule Vickery.

Ziel beim gemeinsamen Wirtschaften ist es, gegenüber dem Einsatz von 150 Euro Pacht, in der Zeit von Frühjahr bis Herbst einen Ertrag im Wert von etwa 500 Euro für den eigenen Bedarf zu ernten.

Die letzen fünf Parzellen stehen noch zur Verpachtung zur Verfügung. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 040/ 840 524 67 mit Familie Vickery in Verbindung setzen. Die nächste Saison kommt bestimmt. Und auch jetzt gibt es noch genug Zeit zum Ernten.

Weitere Informationen über das originelle Landbau-Projekt im Kreis Pinneberg sind auch über die Internet-Plattform von Facebook unter dem Stichwort Erntezeit zu finden.

Ökologisches und soziales Modell

So etwas gibt es also auch noch: Da hat ein Ehepaar die gute Idee, gemeinsam mit Gleichgesinnten ökologischen Landbau zu betreiben, und schon vier Monate später teilen sich 75 begeisterte Hobby-Bauern eine halben Hektar Ackerland auf dem Schäferhof in Appen. Während dort die Pächter ihre reiche Ernte einfahren, muss wegen der großen Nachfrage die Anbaufläche wohl schon bald vergrößert werden.

Noch beeindruckender als das große Engagement und der schnelle Erfolg des Projekts von Jule und Henry Vickery ist jedoch der Weg zum Ziel. Bei der Realisierung verzichteten die Initiatoren auf den Ruf nach staatlicher Unterstützung aus öffentlichen Kassen. Stattdessen rührten sie kräftig die Werbetrommel, setzten auf ihren Einfallsreichtum und die Erfahrung, die sie mit einem ähnlichen Projekt in Hessen gemacht haben.

Dass auf dem Erntezeit-Feld auch soziale Schranken überwunden werden, macht das Projekt erst recht zu einem Vorzeigemodell.


Schenefelder Tageblatt – 16. April 2010, Katy Krause

Für sie war in Schenefeld kein Platz

Vermessen das Feld: Henry und Jule Vickery. Die Schenefelder legen 80 Parzellen für den privaten Gemüseanbau an.

SCHENEFELD/APPEN. Es war ein zäher und langer Kampf: Das Schenefelder Ehepaar Henry und Jule Vickery haben zwei Jahre lang nach einem Feld für ihr Gemüseanbau-Projekt gesucht. In der Düpenaustadt stießen sie auf taube Ohren, in Appen haben sie jetzt ein Feld gefunden, das sie bewirtschaften dürfen. Dort geht das Modellprojekt „Erntezeit“ an den Start. Auf der riesigen Weide sollen bald Radieschen neben Kopfsalat, Zuckermais in der Nachbarschaft zu Kürbissen sprießen und gedeihen.

Die Vickerys sind dabei nicht allein. Bisher haben sie durch Plakate und Presseberichte 45 Mitstreiter im Alter von sieben bis 70 Jahren gefunden. Sie kommen aus Schenefeld, Halstenbek, Pinneberg, Wedel, Rissen, Blankenese, Iserbrook, Bahrenfeld, Ottensen, St. Pauli, St. Georg, Neustadt, Uhlenhorst, Eppendorf und Eimsbüttel – und alle möchten Inhaber einer Garten-Parzelle werden, ihr eigenes Gemüse ernten. „Unser Ziel waren 20 Gärtner und jetzt kommt auch noch ein Fernsehteam“, berichtet die Mutter dreier Kinder begeistert. Der NDR hat sich angemeldet, will einen umfangreichen Bericht bringen. Für die 37-Jährige ist das große Interesse an ihrem ungewöhnlichen Projekt Balsam für die Seele.

Vorher war sie mit ihrer Idee, die sie aus Kassel importierte, auf taube Ohren gestoßen. 20 Landwirte hatte die Schenefelderin gefragt, um ein Feld zu pachten, alle schüttelten den Kopf. Die Bauern wollten keine Fremden auf ihrem Land, lieber Pferde, so Vickery. Auch die Lebenshilfe Schenefeld winkte ab. Bürgermeisterin Christiane Küchenhof (SPD) nahm sich eine Stunde lang Zeit, zusammen mit der Umweltbeauftragten der Stadt lauschte sie den Ausführungen Vickerys. Doch auch sie wusste keinen Rat.

„Ich war verzweifelt“, erinnert sich die Schenefelderin. Die Wende kam mit dem Anruf von Peter Schaumann. Der Geschäftsführer der Lebenshilfen im Kreis Pinneberg hatte Platz für das Projekt mit Modellcharakter, empfing die Vickerys mit offenen Armen. Dann ging alles ganz schnell.

Am Mittwoch rückte der Trecker an, um das etwa 4000 Quadratmeter große Feld in der Nähe des Schäferhofs in Appen zu pflügen. Am 24. April wird gesät und am 7./8. Mai gepflanzt. Das wird aber von Experten gemacht, die „Gartennutzer“ müssen lediglich jäten, pflegen und ernten. Weil die Gartenanzahl aufgestockt wurde, können sich noch weitere Interessierte unter der Nummer (040) 840 524 67 melden.


Hamburger Abendblatt – 8. April 2010, Rainer Burmeister

Appener Schäferhof

Mehr als 20 Familien wollen beim Landbauprojekt mitmachen

8. April 2010, 06:00 Uhr Das originelle Landbau-Projekt des Schenefelder Ehepaares Jule und Henry Vickery sprießt gewaltig. Schon mehr als 20 Familien wollen beim privaten Gemüseanbau auf einer Ackerfläche mitmachen, nachdem die Pinneberger Zeitung über das Vorhaben auf dem Appener Schäferhof berichtet hatte.

Schenefeld/Appen. Jetzt soll am Sonnabend, 10. April, um 15 Uhr ein erstes Treffen der beteiligten Familien stattfinden. Willkommen sind aber auch weitere Landbaufreunde. Treffpunkt ist das alte Gutshaus, Schäferhofweg 30.

Dort können die künftigen Freizeit-Gemüsebauern schon einmal ein bisschen Landluft schnuppern. Unterstützt wird das Projekt mittlerweile von Lebenshilfe-Chef Peter Schaumann und Rainer Adomat, der den Schäferhof als soziales Integrationsprojekt bewirtschaftet.

Wer schon jetzt mehr wissen möchte, kann sich bei Jule Vickery, Telefonnummer 040/840 524 67, informieren und für das Treffen am Sonnabend anmelden. Auch eine Anmeldung per E-Mail ist möglich (erntezeit@gmx.net). Inzwischen haben die künftigen Betreiber auch mit Plakaten kräftig die Werbetrommel gerührt.

Das Konzept der Landbauer: Jede Familie übernimmt von Mai bis Oktober für einen Beitrag von 150 Euro ein Stück Land zur Bewirtschaftung. Dort sind dann 25 Gemüsesorten fertig bestellt. Die Initiatoren und Unterstützer vom Schäferhof pflügen, eggen, säen und pflanzen maschinell. Die Pächterfamilien jäten, pflegen und ernten auf dem jeweils 25 mal zwei Meter großen Feld. Jeder kann seine „Scholle“ besuchen wann er will. Der Ernteertrag ist erfahrungsgemäß doppelt so hoch wie der Pachtbeitrag. Außerdem gibt es neben Gemüsebau Kontakt zu den Nachbarn, und später eine Gemeinschaftsanlage mit Spielflächen, Blumenfeld und Kräutergarten. Anmeldeschluss ist der 19. April. Denn bis dahin müssen die Jungpflanzen bestellt werden.


Hamburger Abendblatt – 19. März 2010, Rainer Burmeister
Privater Gemüseanbau auf dem Schäferhof

Lebenshilfe und Familien bestellen in Appen das Feld

Von Rainer Burmeister 19. März 2010, 06:00 Uhr

Der Aufruf von Jule Vickery in der Pinneberger Zeitung fand Gehör: Der Acker ist gefunden, bald darf gesät werden. Noch ist Platz für mehr Gärtner.

Schenefeld/Appen. „Hurra, der Acker ist da!“, jubelt Jule Vickery. In der vorigen Woche hatte die Pinneberger Zeitung über die Suche der Schenefelderin nach einer Fläche für den gemeinsamen Gemüseanbau junger Familien berichtet. Als Peter Schaumann das las, war er sofort Feuer und Flamme. Der rührige Geschäftsführer der Lebenshilfe Südholstein griff spontan zum Telefon und bot Jule Vickery ein Stück Land auf dem Appener Schäferhof an.

Inzwischen sind sich die künftigen Anbaupartner nach einem Besichtigungstermin einig: „Wir starten zunächst für eine Saison ein Pilotprojekt“, sagt Schaumann, „das wird eine ganz spannende Geschichte.“ Der Lebenshilfechef sieht im gemeinschaftlichen Gemüseanbau einen viel versprechenden Ansatz, um behinderte Menschen, die auf dem Schäferhof tätig sind, mit Familien zusammenzubringen.

Ein geeignetes Gelände auf dem weitläufigen Areal mit 350 Hektar Land wurde schon gemeinsam ausgeguckt: selbstverständlich Natur pur und frei von allen nur erdenklichen Bodenbelastungen. Dort sollen Familien, aber auch Einzelpersonen oder Alleinerziehende nach Herzenslust als Selbstversorger ihr Gemüse hegen, pflegen und ernten. Schaumann stellt Geräte und Saatgut, landwirtschaftliches Know-how und die Flächen bereit. Schon im Mai können die Nachwuchs-Gemüsebauern loslegen. Dann gibt es ein Übergabefest und jeder Nutzer erhält seine Parzelle im Format zwei mal 25 Meter.

Noch ist Platz für mehr Gärtner

Mit der erfolgreich abgeschlossenen Suche nach einem Stück Land ist der Auftakt für das gemeinschaftliche Gemüseanbau-Projekt besser und schneller als erhofft gelungen. Wer auf dem Schäferhof in Appen noch für den Eigenbedarf mit wirtschaften möchte, kann sich auch jetzt noch bei den Initiatoren Jule und Henry Vickery melden, Telefonnummer 040/ 840 52 467. Für die erste Bewirtschaftungssaison wird Familien, Singles oder Alleinerziehenden mit Kindern gegen eine Gebühr von 150 Euro eine Parzelle (zwei mal 25 Meter) auf dem gemeinsamen Gemüsefeld zur Verfügung gestellt.

So gedeiht auch das soziale Miteinander

„Total begeistert“ sind Jule Vickery und ihr britischer Ehemann Henry vom Angebot des Lebenshilfe-Chefs. „Das ist so eine tolle Atmosphäre hier. Überall treffen wir auf offene, freundliche Menschen“, schwärmt die Initiatorin des Gemüseanbau-Kollektivs und schließt gleich Rainer Adomat mit ein, der als Chef des Schäferhofs Seite an Seite mit der Lebenshilfe sozial benachteiligte Menschen betreut und ihnen Beschäftigung gibt. Spontan ließen sich die Vickerys und ihre Gastgeber mit einer Mini-Kutsche, gezogen von Haflinger „Nossi“, über das weitläufige Schäferhof-Gelände führen.

Auf gute Resonanz stieß auch die Suche nach weiteren Teilnehmern für das landwirtschaftliche Gemeinschaftsprojekt. Mehrere Familien aus Schenefeld und Halstenbek sowie eine Frau, die sich mit altem Saatgut auskennt, haben sich gemeldet. Eine Waldpädagogin möchte ebenfalls dabei sein und bietet ihre Kenntnisse an, um den Kindern den Umgang mit den Früchten des Feldes zu vermitteln.

Voraussichtlich Ende April möchte Familie Vickery, zu der noch die Kinder Philippa, Alva und Jasper gehören, auf dem Schäferhof ein erstes Informationstreffen für alle Beteiligten veranstalten. Dann werden die Teilnehmer auch Gelegenheit haben, den Streichelzoo, die Traktorenwerkstatt, den Naturerlebnispfad, den Brotbackofen und die Reitanlage auf dem Schäferhof kennenzulernen.